Certificates for sewage treatment plants: How to

ZERTIFIZIERUNG OHNE KONFORMITÄT: WIE MAN NICHTKONFORMITÄTEN UND „ZAUBERKÄSTEN“ ERKENNT

Die Zertifizierung von Abwasseraufbereitungsanlagen ohne Konformität zu den geltenden Bestimmungen ist ein echtes Problem, da der Zertifizierungsprozess nicht immer den geforderten Standards entspricht. So bedauerlich das auch ist, es ist eine Tatsache. Wir werfen einen genaueren Blick auf das Problem und zeigen, wie sie erkennen, ob eine Anlage ihr Zertifikat zu Recht trägt oder nicht.

Viele Schiffe verfügen über eine Abwasserbehandlungsanlage, die nach den miteinander zusammenhängenden Vorschriften wie den MEPC-Richtlinien der IMO (IMO-Zertifikate), der EU Richtlinie über Schiffsausrüstung (EU-MED-Zertifikate) und dem Code of Federal Regulations (CFR) der USA (USCG-Zertifikate), die nicht zu den Unterzeichnern der IMO Abwasserregulierung gehören, zugelassen ist. Die Genehmigungsbehörden sind die Gatekeeper, die für die Prüfung und Bewertung der in Frage kommenden Technologien mit verschiedenen Merkmalen und Ansprüchen verantwortlich sind. Eine erfolgreich typgenehmigte Kläranlage ist die Basis für eine Reihe von Modellen mit den gleichen Konstruktionsprinzipien, die verschiedene Behandlungskapazitäten abdecken.

Es werden jedoch einige Kläranlagen auf dem Markt angeboten, die trotz offensichtlicher Nichtkonformitäten oder sogar wissenschaftlicher Unmöglichkeiten nach den aktuellen Standards der IMO MEPC.227(64) und/oder der US-Norm 33 CFR 159 zertifiziert sind. Schiffseigner und -betreiber sollten sich dieser Tatsache bewusst sein. Eine Kläranlage an Bord zu haben, die nicht nur zertifiziert ist, sondern die auch tatsächlich den Vorschriften entspricht und die Leistung den Vorschriften entsprechend erbringt, kann ihnen viel Ärger ersparen, wenn ihre Ausrüstung zur Vermeidung von Umweltverschmutzung von den Behörden inspiziert und getestet wird.

Nichtkonformitäten und „Zauberkasten“-Probleme treten in diesen vier Bereichen auf:

  • Handhabung von Klärschlamm
  • Verwendung von Chlor
  • Rezirkulation
  • Behandlung von Grauwasser

Die gute Nachricht ist, dass es relativ einfach ist, festzustellen, ob eine bestimmte Anlage gegen die Regeln verstößt. Wenn Sie die folgenden vier Fragen stellen, kommen Sie direkt zum Kern der Sache.

FRAGE 1:
WAS PASSIERT MIT DEM SCHLAMM?

Eine Kläranlage, die angeblich keinen Schlamm produziert, ist das klassische Beispiel dafür, was wir eine „Zauberkiste“ nennen. Das ist nicht nur eine Zertifizierung ohne Konformität, es ist eine wissenschaftliche Unmöglichkeit, da Schlamm ein unvermeidliches Nebenprodukt der Abwasserbehandlung ist (weiterführender Artikel hier). Diese Zauberkisten verfügen nicht über Technologien, den beim Klärvorgang entstehenden Schlamm zu separieren. Sie können nicht funktionieren, egal wie gut sie betrieben werden. Die Identifizierung des Zauberkastens ist einfach: Prüfen Sie, ob es Hinweise und Vorkehrungen zur Entschlammung gibt, z.B. ob ein spezieller Schlammspeichertank erforderlich ist.

FRAGE 2:
WENN CHLOR ZUR DESINFEKTION VERWENDET WIRD, GIBT ES EINEN SPEZIELLEN ENTCHLORUNGSSCHRITT?

Chlor kann bei der Desinfektion von biologisch behandeltem Abwasser wirksam sein. Um jedoch den Restchlorgrenzwert von 0,5 mg/l zu erreichen, ist ein Entchlorungsschritt erforderlich. Viele Kläranlagen sind jedoch ohne Entchlorung zertifiziert worden – eine weitere wissenschaftliche Unmöglichkeit angesichts der erforderlichen Dosierung und der kurzen Kontaktzeit (weiterführender Artikel hier). Zur Identifizierung dieses „Zauberkastens“ ist zu prüfen, ob im Behandlungsprozess eine Entchlorung vorgesehen ist.

FRAGE 3:
MUSS DER SCHLAMM WIEDER IN DEN SPEISETANK ZURÜCKGEFÜHRT WERDEN?

Die Rückführung von Klärschlamm zurück in den Zulauf einer Kläranlage ist in der Richtlinie für Typgenehmigungsprüfungen ausdrücklich verboten (siehe IMO MEPC.227(64) Paragraph 5.2.1 und 5.2.3 und Abbildung 1 und 33 CFR 159.121 Paragraph (c) und (d). Weiterführender Artikel hier). Sie kann die Behandlungskapazität künstlich aufblähen und durch das Ersetzen von Rohabwasser durch Klärschlamm, der bereits den Behandlungsprozess durchlaufen hat, die herausfordernden Eigenschaften von Rohabwasser drastisch reduzieren. Um solche Nichtkonformitäten zu erkennen, fragen Sie, ob der Klärschlamm in den Speisetank der Kläranlage zurückgeführt werden muss.

FRAGE 4:
WIRD DAS GRAUWASSER DER LETZTEN REINIGUNGSSTUFE DER KLÄRANLAGEN ZUGEFÜHRT?

Aus ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten ist es sehr sinnvoll, Grauwasser zusammen mit Schwarzwasser in einem Prozess zu behandeln. Wenn dies geschehen soll, führt es zwangsläufig zu einer Kläranlage mit höherer Behandlungskapazität und größeren Abmessungen, um die zusätzliche Abwassermenge aufzunehmen. In einigen wenigen Fällen wurden jedoch auch Kläranlagen zertifiziert, bei denen das Grauwasser an die letzte Stufe der Abwasserdesinfektion angeschlossen ist. Dies macht die Desinfektionsstufe nicht nur wirkungslos, was zu einer schlechten Leistung der gesamten Anlage führt, sondern stellt auch eine Nichtkonformität dar (weiterführender Artikel hier). IMO MEPC.227(64) führte einen Verdünnungsausgleichsfaktor ein mit der Absicht, Kläranlagen, die Verdünnung (z.B. mit Meerwasser) als „Behandlungsprinzip“ anwenden, auszuschließen. Dieser Faktor Qi/Qe =1 bedeutet, dass das Einlaufvolumen zur Anlage dem Auslaufvolumen aus der Anlage entsprechen muss. Wenn Grauwasser der Kläranlage erst hinter dem Einlaufpunkt Qi zugeführt wird, dann ist der Faktor Qi/Qe <1. Diese Zertifizierung ohne Konformität zu erkennen ist einfach: Wenn die Kläranlage das Grauwasser behandelt, es aber nicht zu Beginn des Klärprozesses erhält, ist dies ein Verstoß gegen die Regeln.

ZUSAMMENFASSUNG

Seien Sie kritisch! Zertifizierung von Abwasseranlagen ohne Konformität mit den Regen kommt häufiger vor als man annehmen möchte. Es ist zwar sehr bedauerlich, dass man einem IMO-, MED- oder USCG-Zertifikat nicht blind vertrauen kann, aber es ist ziemlich einfach zu überprüfen, ob eine Kläranlage ihr Zertifikat zu Recht trägt oder ob sie gar nicht erst hätte zertifiziert werden dürfen. Betrachtet man die Kosten, die den Schiffs-Eignern und -Betreibern auferlegt werden können, wenn Anlagen offizielle Tests im realen Betrieb nicht bestehen, bleiben nur wenige Argumente für die Installation einer solchen Anlage, so klein oder günstig sie auch sein mag.

Continue reading

Food waste and wastewater handling onboard ships

Lebensmittelabfälle und Abwasser: Nicht mischen und kombinieren!

Lebensmittelabfälle gehören nicht in das Abwassersystem eines Schiffes, nicht nur in Bezug auf die Effizienz des Systems, sondern auch aus rechtlicher Sicht. Der Umgang mit Lebensmittelabfällen ist aus guten Gründen streng geregelt, und sie mit Hilfe des Abwassersystems verschwinden zu lassen, ist bestenfalls eine Nichteinhaltung. Die Entsorgung von Schiffsabwässern, die mit Lebensmittelabfällen vermischt sind, an Land verstößt gegen nationale Vorschriften zur biologischen Sicherheit und stellt eine potenzielle Biogefährdung für die lokalen Gemeinden und die Umwelt dar. Das Vermischen von Lebensmittelabfällen mit Abwasser an Bord eines Schiffes verstößt bereits gegen Anhang V der MARPOL-Konvention als solche.
Lebensmittelabfälle können sowohl Pflanzenschädlinge als auch Vieh- und Geflügelkrankheiten wie Schweinepest, Tollwut, Maul- und Klauenseuche oder Vogelgrippe verbreiten. Einige Länder haben strenge Biosicherheitsvorschriften, die in die Zuständigkeit der nationalen Landwirtschaftsbehörden fallen, während in anderen Ländern Ad-hoc-Maßnahmen gelten.
Kurz gesagt, diese Vorschriften verlangen, dass Lebensmittelabfälle entweder ins Meer jenseits von 3 nm oder 12 nm vom nächstgelegenen Land ins Meer eingeleitet oder zur Entsorgung in die zugelassenen Anlagen verbracht werden. In der Zwischenzeit müssen sie so behandelt werden, dass sie auslaufsicher sind.
Anhang V des MARPOL-Übereinkommens der IMO lässt drei Wege für die Lebensmittelabfälle eines Schiffes zu: ins Meer (jenseits von 3 oder 12 nm vom nächsten Land entfernt), zu einer Verbrennungsanlage an Bord und zu den Hafenauffangeinrichtungen. Der tatsächliche Entsorgungsweg muss in einem „Garbage Record Book“ festgehalten werden.
Auf vielen Schiffen werden die Lebensmittelabfälle und ihre Derivate jedoch ganz oder teilweise in das Grauwassersystem geleitet, wo sie spurlos verschwinden. Die technischen Standards einiger Klassifikationsgesellschaften lassen es zu, dass Lebensmittelabfälle statt in einen Fäkalientank, wie in Abschnitt 2.9.2 des MEPC.259(71) vorgesehen, in die Abwasserkläranlage geschickt werden. Solche Standards schaffen eine weitere Nichtkonformität, weil die Abwasserkläranlage nicht zu den drei erlaubten Entsorgungswegen im Garbage Record Book gehört, das vom Schiffskapitän ausgefüllt und unterzeichnet wird.
Das nachstehende Diagramm veranschaulicht das Ausmaß potenzieller Nichtkonformitäten, wobei ein Lebensmittelabfallentsorger als eines von vielen möglichen Beispielen betrachtet wird.

Lebensmittelabfälle gehören nicht in das Abwassersystem

Lebensmittelabfälle, die von der linken oberen Ecke des Diagramms in das System gelangen, kommen niemals aus dem System heraus; sie verschwinden einfach. Verfolgt man die Linien zu den Hafenauffangeinrichtungen (PRF), wird deutlich, wie Lebensmittelabfälle getarnt an Land gelangen und den „zugelassenen Einrichtungen“, die von den lokalen Biosicherheitsvorschriften vorgesehen sind, entgehen. Von dort können sie auf landwirtschaftlich genutzten Flächen landen und Biosicherheitsrisiken mit sich bringen.
Lesen Sie den vollständigen Artikel von Dr. Wei Chen über The Martime Executive

Continue reading

Begriffe der Abwasserbehandlung auf Schiffen: Abwasser, Schwarzwasser und Grauwasser. Welcher Begriff meint was?

ABWASSER-BEGRIFFE:
WAS IST GEMEINT?

Was ist Abwasser, Schwarzwasser, Grauwasser? Es gibt eine Vielzahl an Definitionen dieser Begriffe, die sich mal mehr, mal weniger unterscheiden. Diese Definitionen finden sich bei der INTERNATIONAL MARITIME ORGANISATION (IMO), der U.S. ENVIRONMENTAL PROTECTION AGENCY oder bei Klassifizierungsgesellschaften. Hier erfahren Sie, was gemeint ist und worum es genau geht!

WAS IST ABWASSER?

Abwasser ist als Oberbegriff zu verstehen, unter den viele verschiedene Substanzen fallen können. Ballastwasser, Bilgewasser, Waschwasser von Abgasreinigungsanlagen, Restwasser von Lebensmittelabfällen, Abfluss aus Toiletten, Duschen, Waschbecken usw – all das fällt grundsätzlich unter den Begriff Abwasser. Im englischen gibt es dafür den Begriff „Wastewater“. Der Begriff Abwasser ist also wenig trennscharf.

Wenn wir von Abwasser sprechen, dann meinen wir das, was im englischen als „Sewage“ bezeichnet wird.

Die HAMANN AG definiert Abwasser (im Sinne von „Sewage“) wie folgt:

  • Abwässer und sonstige Abfälle aus Toiletten, Urinalen und WC-Speigatten jeder Art (Schwarzwasser)
  • Entwässerung aus medizinischen Bereichen (Ambulanz, Krankenstation usw.) über Waschbecken, Waschwannen und Speigatten, die sich in solchen Räumen befinden (Schwarzwasser)
  • Abwässer aus Räumen, in denen sich lebende Tiere befinden
  • Grauwasser bei Vermischung mit den oben definierten Abwässern

Abwasser (im Sinne von Sewage) enthält also immer Schwarzwasser und kann auch Grauwasser beinhalten. Die Technologie der HAMANN Abwasserbehandlungsanlagen ist darauf ausgelegt, immer ein Gemisch aus Schwarzwasser und Grauwasser zu verarbeiten – also Abwasser in seiner Gesamtheit.

Unterschiedliche Definitionen des Begriffes Sewage finden sich z.B. bei der IMO, der EPA und bei Klassifizierungsgesellschaften. Unsere oben genannte Definition ist weitestgehend deckungsgleich mit derjenigen der IMO. Die IMO jedoch formuliert den letzten Punkt offener und spricht von „other waste waters when mixed with the drainages defined above“. Wir sind hier spezifischer, indem wir diesen Punkt auf Grauwasser beschränken. Ein Grund dafür ist z.B. dass die Vermischung von Schwarzwasser mit Restwasser aus Lebensmittelabfällen (das unter „other waste water“ fallen würde) zur Folge hätte, dass für dieses Gemisch nicht mehr die Regeln von MARPOL Annex IV (Sewage), sondern von MARPOL Annex V (Food Waste) anzuwenden wären.

WAS IST SCHWARZWASSER?

Der Begriff Schwarzwasser wird von Seiten der regulierenden Behörden nicht offiziell verwendet, sehr wohl jedoch auf Seiten der Industrie und der Klassifizierungsgesellschaften. Auch die Definitionen des Begriffes Schwarzwasser unterscheiden sich je nach Quelle.

Die HAMANN AG definiert Schwarzwasser wie folgt:

  • Fäkalienhaltiges Abwasser, z. B. aus Toiletten
  • Abwässer aus medizinischen Einrichtungen, falls vorhanden

Schwarzwasser ist also eine Teilmenge des Abwassers. Vor allem im Englischen werden die Begriffe Schwarzwasser (Black water) und Abwasser (Sewage) oft synonym verwendet, da sie beide Fäkalien enthalten. Die HAMANN AG unterscheidet jedoch aufgrund der höheren Konzentration von Fäkalien, Krankheitserregern und anderen potenziell gefährlichen Stoffen im Schwarzwasser zwischen beiden.

WAS IST GRAUWASSER?

Die HAMANN AG definiert Grauwasser wie folgt:

  • Abfluss frei von Fäkalien oder Fett, z. B. aus Duschen, Waschbecken, Waschmaschinen usw.
  • Küchenabwasser, wenn es vorher in einem Fettabscheider behandelt wurde

Die IMO (International Maritime Organization) resolution MEPC.227(64) Punkt 2.7 bezieht in ihre Definition von Grauwasser auch das Küchenabwasser ein, ohne die Behandlung in einem Fettabscheider zur Vorgabe zu machen. Aufgrund des hohen Fettgehalts in Küchenabwässern ist eine separate Behandlung in einem Fettabscheider jedoch nicht nur für die Leistungsfähigkeit von Abwasserbehandlungsanlagen, sondern z.B. für das gesamte Leitungssystem für Abwasser an Bord wichtig, das sonst schnell durch Fettablagerungen zugesetzt werden kann.

WAS IST KÜCHENABWASSER?

Wir bei der HAMANN AG unterscheiden zwischen Grauwasser und Küchenabwasser – anders als z.B. die IMO. Der Grund dafür ist der hohe Fettgehalt in Küchenabwasser. Fett beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit von Abwasserbehandlungsanlagen und kann z.B. das Leitungssystem für Abwasser an Bord durch Ablagerungen verstopfen. Deshalb setzen wir die Behandlung von Küchenabwasser in einem Fettabscheider voraus, damit dieses anschließend als Grauwasser betrachtet und in unseren Abwasserbehandlungsanlagen weiterverarbeitet werden kann.

Die HAMANN AG definiert Küchenabwaser wie folgt:

  • Abwasser aus Küchenräumen über Spülbecken, Geschirrspüler und Speigatten, die sich in solchen Räumen befinden

WAS IST SCHLAMM?

Schlamm, auch Klärschlamm genannt, ist ein unvermeidbares Nebenprodukt der Abwasserreinigung. Kläranlagen erzeugen immer zwei Ausgangsströme:

  • Behandeltes Abwasser, auch als Ablauf bezeichnet
  • Klärschlamm

Behandeltes Abwasser (Effluent) kann ins Meer eingeleitet werden (lokale/regionale Einleitungsverbote wie z.B. in Zero-Discharge-Zones sind zu beachten).

Klärschlamm muss zunächst in Fäkalientanks an Bord aufbewahrt werden. Es gibt zwei Möglichkeiten für das Entsorgen von Klärschlamm:

  1. Der Schlamm kann in Häfen über entsprechende feste Einrichtungen oder durch spezialisierte Dienstleister mit Tankschiffen zu landgestützten Auffangstationen entladen werden
  2. Der Schlamm kann auf See in einer Entfernung von mindestens 12sm von der nächstgelegenen Küste außenbords gepumpt werden. Dabei sind die Vorgaben aus IMO Resolution MEPC.157(55) (Recommendation on standards for the rate of discharge of untreated sewage from ships) zu beachten.

ABWASSER IST NICHT ABFALL!

Vom Abwasser getrennt zu betrachten ist sind feste Abfälle. Abfall wird in MARPOL Annex V wie folgt definiert:

„1.1 Abfall ist jede Art von verproviantierbaren, häuslichen und betrieblichen Abfällen mit Ausnahme von Frischfisch und Teilen davon, die während des normalen Betriebs des Schiffes anfallen und kontinuierlich oder regelmäßig beseitigt werden können, mit Ausnahme der Stoffe, die in anderen Anhängen dieses Übereinkommens definiert oder aufgeführt sind.“

Dazu gehören also auch Lebensmittelabfälle. Wichtig: Wenn an Bord eines Schiffes Abfall im Sinne von MARPOL Annex V, also z.B. Lebensmittelabfälle aus der Küche, mit Abwasser im Sinne von MARPOL Annex IV, also vor allem aus den Toiletten, vermischt wird, dann gelten für die Behandlung des Gemisches die schärferen Bestimmungen aus MARPOL Annex V.

HAMANN-Anlagen sind ausschließlich für die Behandlung von Abwasser gemäß MARPOL Annex IV ausgelegt und sind nicht für die Behandlung von Abfällen gemäß MARPOL Annex V geeignet.

Um mehr über HAMANN Abwassertechnologie zu erfahren, bitte hier klicken!

Continue reading

ABWASSERMANAGEMENT IST MEHR ALS EINE ABWASSERAUFBEREITUNGSANLAGE

von Dipl. Ing. Olaf Hansen, Head of Technical Department at HAMANN AG

In den letzten Monaten gab es in der Branche für Abwasser- und Klärtechnik einige bemerkenswerte und zum Teil verwirrende Aktionen bezüglich der Zertifizierung von Produkten. Aufgrund des zunehmenden Drucks sowohl von Seiten der Industrie als auch des Gesetzgebers wurden die Zertifikate für einige auf dem Markt befindliche Abwasseraufbereitungsanlagen von den Zertifizierungsstellen ausgesetzt oder zurückgezogen. Dies deutet darauf hin, dass das Zertifizierungssystem überarbeitet werden muss. Eine Gruppe von Branchenakteuren – wir gehören dazu – hat einen Handlungsbedarf zur Verbesserung der Richtlinien für die Zertifizierung von Abwasserbehandlungsanlagen gefordert.

Glücklicherweise ist es die Absicht vieler Schiffseigner, die Umweltauswirkungen ihrer Schiffe zu reduzieren oder einfach nur die bestehenden Vorschriften zu erfüllen. Tatsächlich sind diese Eigner einem hohen finanziellen Risiko ausgesetzt, wenn die Abwasserbehandlungssysteme an Bord nicht den geforderten Abwasserstandards entsprechen.

Weltweit werden die Behörden immer sensibler für die Meeresverschmutzung durch Schiffsabwässer. Ein Beispiel aus jüngster Zeit ist die Maritime and Port Authority of Singapore (MPA Singapur), die gerade ein Rundschreiben an alle Eigentümer, Manager und Kapitäne von in Singapur registrierten Schiffen herausgegeben hat, in dem sie darauf hinweisen, dass Mängel in den Abwasseranlagen bisher der häufigste Grund für das Festhalten von Schiffen durch die Hafenstaatkontrolle im Jahr 2019 waren.

Wenn das Zertifikat einer in Betrieb befindlichen Anlage zurückgezogen wird, weil sie nicht den erforderlichen Abwasserstandards entspricht, könnte der Schiffseigner gezwungen sein, sie durch eine andere Anlage mit einem gültigen Zertifikat ersetzen zu lassen und/oder eine beträchtliche Geldstrafe zu zahlen.

In Anbetracht dessen ermutigen wir alle Schiffseigner und Werften, über die Zertifikate hinaus zu schauen und uns – die Hersteller – herauszufordern, Abwasserbehandlungssysteme zu liefern, die in Bezug auf Abwasserqualität, Bedienungsfreundlichkeit und Zuverlässigkeit leistungsfähig sind. Wir schlagen vor, die Perspektive zu erweitern und einen Blick darauf zu werfen, was ein Abwassermanagementsystem tatsächlich ist – oder sein sollte.

Abwassermanagement ist mehr als eine Abwasseraufbereitungsanlage an Bord zu haben. Ein Abwassermanagementsystem muss richtig konzipiert werden: Von der Abwassersammlung über die Schlammbehandlung bis zur Abwassereinleitung. Kläranlagen, Schwarz- und Grauwasserleitungen, Fettabscheider, Systemabscheider, die verhindern, dass sich Mikroben gegen den Strom aus den Abwasserleitungen in die Frischwassersysteme ausbreiten, Sammelbehälter, Tankbelüftung, Übergabesysteme, Schlammtanks, Schlammbehandlungsanlagen und Leistungsüberwachung sind Teil des Systems. Natürlich ist jedes Projekt anders. Daher muss ein Abwassermanagementsystem an die spezifischen Bedingungen an Bord angepasst werden.

Es gibt einige Schlüsselfaktoren, die die Leistung eines Abwasserbehandlungssystems beeinflussen. In erster Linie müssen Lebensmittelabfälle und Abwasserleitungen strikt getrennt werden. Lebensmittelabfälle haben einen wesentlich höheren BSB5-Wert (Biologischer Sauerstoffbedarf) als Rohabwasser und erhöhen daher die organische Belastung der Kläranlage stark. Grauwasser aus den Küchen muss durch einen entsprechend ausgelegten und dimensionierten Fettabscheider laufen, bevor es in einem Fäkalientank gelagert wird. Schmierfett aus der Küche verstopft nicht nur Rohre und Sensoren, sondern katalysiert auch den Abbauprozess von Schwefelwasserstoff, einem giftigen und extrem stinkenden Gas im Inneren der Fäkalientanks. Im schlimmsten Fall kann sich im Inneren der Vorratstanks Schwefelsäure bilden, die dann die Rohrleitungen angreift und zu einer Verschlechterung der Ablaufwerte führt.

Nicht zuletzt sollte die organische Belastung der Kläranlage überwacht und kontrolliert werden, um die zertifizierte organische Belastung zu erhalten. Die IMO Resolution MEPC.227(64) verlangt beispielsweise, dass eine Kläranlage die definierten Abwasserwerte auf der Grundlage eines TSS-Wertes (Total Suspended Solids) von ≥ 500 mg/l im Zulauf erzeugt. Unsere Abwasseraufbereitungsanlagen sind innerhalb dieser Parameter ausgelegt, jedoch mit einer Marge, die unterschiedliche Belastungssituationen zulässt. Der Betrieb der Anlage über einen längeren Zeitraum oberhalb dieser Spanne führt zu einer verminderten Reinigungswirkung und damit zu einer Verschlechterung der Ablaufqualität. Im Extremfall kann eine Überlastung zu einem vollständigen Ausfall der Anlage führen.

Für uns als Hersteller liegt es auf der Hand, dass wir die Planung und Auslegung einer Kläranlage nicht den Kunden überlassen und ihnen die Kläranlagen einfach verkaufen können. Ein wichtiger Teil unseres Geschäfts ist die Beratung. Je früher wir in ein Projekt eingebunden werden, desto besser können die Ergebnisse sein. Wir führen oft vor oder ganz am Anfang eines Projekts Workshops mit Schiffsdesignunternehmen und Schiffsarchitekten durch, um das Abwassermanagementsystem als Ganzes zu verbessern. Während der Detailkonstruktion arbeiten wir eng mit den Werftingenieuren zusammen, um die bestmöglichen Bedingungen an Bord zu schaffen, damit unsere Systeme ordnungsgemäß betrieben werden können.

Abwassermanagement ist mehr als eine Abwasseraufbereitungsanlage. Es ist ein Abwassermanagementsystem, das von Grund auf richtig konzipiert ist.

Continue reading

IMO-ZERTIFIKATE: EIN LEITFADEN FÜR EIGNER UND WERFTEN

Hochqualifizierte und effiziente Lösungen zur Abwasseraufbereitung sollten ein guter Grund für ein reines Gewissen sein. Aber das Risiko, falsche oder keine Unterlagen für diese Anlagen an Bord zu haben und sich in Folge mit Strafzahlungen und einem wesentlich geringeren Verkehrswert des Schiffes auseinanderzusetzen, sollte man nicht unterschätzen. Ein Leitfaden für Eigner und Werften zu IMO-Zertifikaten.

HERAUSFORDERUNG

Die folgende Diskussion soll weder eine generelle Diskussion über die Entwicklung von Standards in der maritimen Industrie noch über technische Aspekte oder Leistungsfähigkeiten von Abwasserauf­bereitungsanlagen im Einzelnen werden. Es ist uns sehr wohl bewusst, dass einige Abwasseraufbereitungsanlagen zwar an Bord eingebaut aber niemals in Betrieb genommen werden. Trotzdem ist es aus unserer Sicht ein absolutes Muss, die maritime Umwelt mit passenden Maßnahmen zu schützen. (mehr …)

Continue reading